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Paul Young






15 Jahre war er wie vom Erdboden verschluckt: Paul Young, der Superstar der 80er, der mit "Wherever I Lay My Hat", "Come Back And Stay", "Love Of The Common People" und "Every time You Go Away" unvergessliche Hits hatte, und dessen ´83er Debüt "No Parlez" bis heute als Meilenstein des Neo-Soul gilt.

Ein Mann aus Luton (bei London), der ein Wahnsinnsorgan besitzt, seit den späten 60ern im Musikgeschäft aktiv ist, jahrelang mit der Streetband und den Q-Tips durch die Clubs tingelte, aber erst als Solist den großen Durchbruch schaffte.

Mit seinen inzwischen 50 Jahren erlebt Paul Young ein Comeback. Young lässt den Soul hinter sich zurück, und konzentriert sich auf die derzeit so angesagte Spielart des Swings.

Swing hätte ihm wohl niemand zugetraut. Im Oktober letzten Jahres nahm Paul Young sein neues Album "Rock Swings - On The Wild Side Of Swing" auf, in dem er große, fast schon heilige Hits der Pop- und Rockmusik präsentiert.

Zu diesem Zweck hat er sich mit einigen der besten Swing- und Jazz-Musiker zusammengetan: mit Steve Sidwell, der schon Robbie Williams legendäres Konzert in der Royal Albert Hall leitete und für die Arrangements auf dessen Album "Swing When You`re Winning" zuständig war; mit Simon Clarke, der Bands wie The Beautiful South oder Blur und Sänger wie Rufus Wainwright oder David Gray betreute, wenn es um die richtige orchestrale Untermalung ging und mit dem deutschen Produzenten Dieter Falk, der Katja Ebstein, Pur und Patricia Kaas zum Erfolg führte.

"Rock Swings - On The Wild Side Of Swing" ist die Fortsetzung einer Reihe, die mit Paul Ankas 2005 erschienener Hommage an Frank Sinatra begann und durch eine außergewöhnliche Mischung besticht.
Die Tracklist von Paul Youngs Album ist ebenso eindrucksvoll wie überraschend. 13 Stücke, darunter bekannte Coverversionen wie "Tainted Love" oder "White Christmas", aber auch "Jean Genie" von David Bowie, "Why Does It Alwasy Rain On Me" von Travis, "Enter Sandman" von Metallica und "Lose Yourself" von Eminem.

Paul Young besitzt das seltene Talent, bekannte Songs bekannter Songwriter so klingen zu lassen, als stammten sie von ihm, als hätte es kein Original gegeben, auf das sich seine Interpretation bezieht. Anfang der Achtziger veredelte Youngs unverwechselbar weiche Falsettstimme Marvin Gayes "Wherever I Lay My Hat (That`s My Home)". Und schon auf seinem ersten Album "No Parlez" von 1983, das Platz eins der deutschen und britischen Charts erreichte, scheute er nicht vor gewagten Coverversionen zurück und ließ "Love Will Tear Us Apart" von Joy Division mit einem Mal in einem anderen, weniger düsteren Licht erscheinen.

Seinen größten internationalen Hit landete er 1985 mit Daryl Halls "Everytime You Go Away" vom zweiten UK-Nummer-eins-Album "The Secret Of Association". Der Song schaffte es auch an die Spitze der US-Charts und begründete Youngs Status als einer der bedeutendsten weißen Soulsänger in den Vereinigten Staaten. 1988 sang er anlässlich Nelson Mandelas 70. Geburtstag im Londoner Wembley Stadium "Don`t Dream It`s Over" von Crowded House, eine Durchhalte-Hymne, die nachträglich wie eine Prophezeiung wirkt. Denn keine zwei Jahre später wurde Mandela aus der Haft entlassen.

Weil Paul Young niemals wirklich weg gewesen ist von den Bühnen dieser Welt, kann man nicht davon sprechen, dass er jetzt wieder da sei. Und doch hat man das Gefühl, dass er mit seinem neuen Album "Rock Swings - On The Wild Side Of Swing" zurückkehrt an seine alten Wirkungsstätten und gleichzeitig etwas völlig anderes macht.

Einerseits beweist er wieder einmal, dass seine Stimme unverwechselbar ist, und er aus Songs, die sich einem in die Gehörgänge gebrannt haben, etwas herausholen kann, dass es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Andererseits überrascht er alle, die ihn zu kennen glauben, mit einer mutigen Songauswahl und einer eigenwilligen Swingkomposition, die selbst wie ein Klassiker wirkt. Und doch ist ihm mit dem eigenen Stück "I`d Better Get My Coat" etwas ganz Besonderes gelungen, ein großartiger Swingsong, inspiriert von Frank Sinatra, gepaart mit viel britischem Humor und Understatement.