Nena
Nena betritt den Raum – und er beginnt zu
leuchten. Sie erscheint auf der Bühne –
und ihr Zauber erfüllt jedes Herz. Sie singt
– und jeder lauscht gebannt ihrer Stimme.
„Ich tanze mich in die totale Gelassenheit.
Nur ab und zu öffne ich meine Augen und werfe
einen kurzen Blick in den riesigen Spiegel neben
der Tanzfläche...“ beginnt ihre Autobiographie
„Willst du mit mir gehn“.
Jeder
spürt, hier ist eine Frau, die mit schlafwandlerischer
Sicherheit durchs Leben geht und genau weiß,
was sie will.
Den Eltern war lange nicht klar, wer da am 24. März
1960 in ihr Haus kam.
Als
sie 17 ist, passiert etwas, das in einer gutbürgerlichen
Lehrerfamilie in Hagen in Westfalen nicht vorgesehen
ist: Nena, die eigentlich Gabriele Susanne heißt,
verlässt vor dem Abitur die Schule.
„Wohin
willst du gehen?“, fragten meine Eltern.
„Keine Ahnung,“ sagte ich, „auf
jeden Fall nicht mehr in die Schule.“
Nena
macht eine Goldschmiedlehre und begibt sich danach
mit ihrer Gitarre auf die Abenteuerreise ihres Lebens.
Während der Schulzeit hat sie bereits ihre
erste Rockband gegründet. Nach zwei Jahren
kommt ihre erste Schallplatte heraus. Die Welt spitzt
zwar noch nicht die Ohren, aber drei Leute, die
ihr Ohr am Puls der Zeit haben, hören unter
den vielen neuen Stimmen Nenas ganz eigenen Sound:
Der Berliner Fotograf Jim Rakete und zwei Musiker
der Rockband SPLIFF.
Berlin, die Metropole im permanenten Ausnahmezustand
ist nicht nur die Stadt neuer Lebensformen, sondern
auch das Zentrum einer Kreativität von unbekannter
Qualität. Die Neue Deutsche Welle rollt über
die Stadt und lockt junge Künstler aus allen
Teilen Deutschlands an. Jim Rakete und SPLIFF wollen
Nenas nächste Platte produzieren.
Nena
folgt ihrer inneren Stimme und zieht 1981 nach Berlin.
„Ich glaube nicht, dass es zufällige
Begegnungen gibt. Es kommen genau die Menschen in
mein Leben, zu denen ich mich hingezogen fühle,
die ich anziehe oder die sich durch mich angezogen
fühlen. Überall sind die Schnittpunkte,
egal in welche Richtung ich mich bewege. Wir treffen
uns sowieso und auf allen Ebenen.“ 1982 erscheint
die Platte mit dem Titel „Nena“ und
am 17. August kommt es zum legendären Auftritt
mit ihrer Band im ARD-„Musikladen“.
Nena ist sich sicher: „Singen macht glücklich,
befreit, ist heilsam. Wer singt, der schwingt.“
Wo
nimmt Nena die Energie für ihr künstlerisches
Schaffen her?
„Wir Menschen gehen wieder aufeinander zu
und sind füreinander da. Wir stärken uns
gegenseitig. Wir verweilen nicht mehr in der Angst.
Wir öffnen uns für Dinge, von denen wir
vielleicht noch nie gehört haben. Wir übernehmen
jetzt die Verantwortung für uns selbst. Leben
macht Spaß.