Trotz aller bisheriger Erfolge: so komplex und konzeptionell
ausgefeilt hat die JAZZKANTINE bislang noch nie
gearbeitet. Über ein Jahr lang haben die Verantwortlichen
an dem neuen Großprojekt, dem mittlerweile
sechstem Longplayer, gearbeitet. "Futter für
die Seele" ist ein Album geworden, welches
sich vor allem an drei Eckpfeilern orientiert: dem
lebendigerem Sound der Jazzkantine, dem gewaltigen
Klangkörper einer beeindruckenden Big Band
und dem Gesang ausschließlich erstklassiger
Sänger und Sängerinnen aus der deutschen
Soul-Landschaft
Die
JAZZKANTINE bestreitet damit wieder einmal einen
neuen Weg und bleibt sich andererseits dem Grundsatz
treu, der Stagnation keine Chance zu geben und "Grenzen"
stets gekonnt zu überschreiten. Nach acht erfolgreichen
Jahren mit der Fusion von deutschsprachigem Rap,
Soul-Jazz und Funk wird nun ein neuer Ansatz präsentiert,
bei dem auf den Einsatz von Rappern diesmal komplett
verzichtet wird. Durch diesen Kunstgriff sind offenbar
eine Menge musikalischer Energien frei geworden.
"Beim Produzieren von HipHop ist man doch immer
ein bisschen gebremst, in Bezug auf Musikalität
und Songstruktur, denn beim HipHop wird ja sehr
viel mehr mit Bausteinen gearbeitet. Diesmal konnten
wir noch viel musikalischer arbeiten," meint
Produzent Christian Eitner zu "Futter für
die Seele". Er betont aber auch, dass das Thema
Rap für ihn und JAZZKANTINE keinesfalls für
immer erledigt sei. Mit dem Album "Futter für
die Seele" sollte jedoch ein anderer Schwerpunkt
gesetzt werden und Gesangstitel mit Soul-Anleihen
hat es bei der JAZZKANTINE ohnehin schon häufiger
gegeben. Das Sympathische an der Großformation
ist ja u.a. auch, dass sie nie irgendwelchen Trends
hinterher läuft, sondern stets sehr viel Wert
auf organische Entwicklungen legt. So ist die Zusammenarbeit
mit der Big Band des Hessischen Rundfunks unter
der Leitung des Chefdirigenten Jörg Achim Keller
durch verschiedene gemeinsame Projekte in den letzten
Jahren gewachsen und wurde u.a. durch einen Open-Air-Auftritt
vor 10.000 Leuten in der Frankfurter Innenstadt
geprägt. Christian Eitner zur hr-Big-Band:
"Das ist eine fantastische Big Band mit tollen
Solisten, und vor allem auch mit einer unkonventionellen
Besetzung, mit Instrumenten wie dem Euphonium und
der Bassflöte."
Gemeinsam haben die Verantwortlichen die Songs ausgesucht
- allesamt Klassiker aus dem Funk-und Soulbereich.
Nummern, die garantierte Tanzflächenkiller
sind, die gleichzeitig aber auch einen gewissen
Jazztouch haben. Titel, die zwar bekannt sind, doch
in letzter zeit kaum oder gar nicht gecovert wurden.
"Es war uns sehr wichtig, Stücke auszuwählen,
die man mit unserer Besetzung und der Big Band auch
gut und interessant umsetzen konnte, so dass etwas
Neues entsteht. Außerdem sollte man einige
davon auch in einer deutschen Textvariante interpretieren
können," meint Eitner.
Ralf Schmidt und Wolf Kerschek haben außergewöhnliche
Arrangements für das Projekt geschrieben. Es
ist verblüffend, welch unglaubliche Power von
der Big Band ausgeht und wie gut die einzelnen Elemente
ineinander greifen. So sind äußerst spannende
und hörenswerte Neu-Interpretationen von "Superfly"
(Curtis Mayfield) oder "Mercy Mercy" (Joe
Zawinul) entstanden, die von der Elite des deutschen
Soulgesanges veredelt und zeitgenössisch produziert
wurden.
Edo Zanki gilt seit 20 Jahren als die wichtigste
deutsche Soulstimme. Er ist zudem ein überaus
erfolgreicher Komponist und Produzent (Ulla Meinecke,
Herbert Grönemeyer, Söhne Mannheims, u.a.).
Von ihm stammt der Gesang zu Joe Zawinuls Soul Jazz
Hymne "Mercy Mercy". Ulla Meinecke sagte
einmal über Zanki: "Der Mann hat einen
derart intimen Zugang zu Musik, Gesang und Instrumenten.
Der singt einem direkt ins Herz. Edos Zeug ist Seelenfutter."
Großen
Anteil am Erfolg der "Söhne Mannheims"
hat auch Sänger Rolf Stahlhofen, der demnächst
sein Debüt als Solo-Künstler feinern kann.
Bei der JAZZKANTINE hat er dem Titel "Brickhouse"
(Commodores) bearbeitet. Kennen gelernt haben sich
alle Beteiligten übrigens letztes Jahr beim
"Festival gegen rechte Gewalt" in Berlin,
als Stahlhofen gemeinsam mit Nina Hagen, Udo Lindenberg
und der JAZZKANTINE eine Jam-Session bestritt.
Ein echtes Highlight und gleichzeitig die erste
Single-Auskopplung des Albums ist die Nummer "Mein
Tag, mein Licht" (deutsche Fassung des Bill
Withers-Hits "Ain't No Sunshine") mit
der erst 20-jährigen gebürtigen Inderin
GIM, die kürzlich im Duett mit dem Sänger
BEN, die Charts stürmte ("Engel")
und nun mit der JAZZKANTINE in einer für die
ungewöhnlichen musikalischen Umgebung zu hören
sein wird.
Der Deutsch-Amerikaner Carl Keaton Jr. wird demnächst
sein erstes eigenes Album mit deutschsprachigem
Soul veröffentlichen. Vorher hat er jedoch
noch Stevie Wonders "As" mit einem deutschen
Text versehen ("Ewig"). Fast schon etabliert
in der deutschen Groove-Szene ist One Soul, der
letztes Jahr ein sehr ordentliches Album abgeliefert
hat und der bei der JAZZKANTINE Curtis Mayfields
"Superfly" in einer deutschen Version
singt. Eines der großen Highlights dieser
CD! Der gebürtige Iraker Laith Al Deen wiederum
hat Bill Withers "Use Me" zu "Benutz
mich" werden lassen. Die reichhaltige Mischung
der Vokalisten wird fortgesetzt mit der farbigen
Afro-Amerikanierin Charlemaine, an deren außergewöhnlichen
Stimme kann man sich gar nicht satt hören ("Ain't
necessarily so"). Von ihr wird in nächster
Zeit sicher noch einiges mehr zu hören sein.
Sam Leigh Brown, - bekannt geworden durch ihre eigene
Drum'n Bass Band N.O.R.A. - war schon häufiger
zusammen mit JAZZKANTINE zu hören. Mit ihrer
bezaubernden Stimme singt sie als einzige Künstlerin
zwei Titel ("Diamonds Are The Girls Best Friends",
"Ai No Corrida"). Schließlich konnte
der Orange Blue-Sänger Volcan Byder für
das Projekt begeistert werden, der Billy Joels "Just
The Way You Are" überzeugend interpretiert.
Die
JAZZKANTINE präsentiert auf "Futter für
die Seele" eine Soundmischung, die es in dieser
Form in Deutschland noch nie gegeben hat. Ohne Frage
wird dieses Album alte und sicher auch viele neue
Fans begeistern.