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The Teens





Mädchen, wollt ihr ewig kreischen? Die Teens, in der Helmut-Schmidt-Ära Deutschlands erfolgreichste Boygroup, haben nach 15 Jahren eine neue Platte aufgenommen VON ANDREAS KRIEGER Ein Grinsen geht auf Wanderschaft. Zuerst erwischt es Uwe Schneider, der sich über das Riff freut, das er gerade auf seiner E-Gitarre spielt. Seine Mundwinkel ziehen sich nach oben, schelmisch blinzelt er Sascha Urban an. Der Sänger mit der blonden Igelfrisur übernimmt das Grinsen und wirft es hinüber zum zweiten Gitarristen Jörg Treptow und dem Schlagzeuger Michael Uhlich, die gerade kräftig in ihre Instrumente langen. Sie lassen sich gerne anstecken. Die "Teens" drehen ein Musikvideo in "Onkel Tom's Hütte", ihrem Demo-Studio. Die gute Laune ist nicht gespielt. Vor wenigen Wochen ist ihr neues Album erschienen, das erste nach fünfzehn Jahren Pause. "One more chance" haben die Teens ihre CD genannt.


"Wir geben uns selber noch mal eine Chance", sagt Schneider. Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, daß die damals zwölf- bis dreizehnjährigen Teens mit ihrem Drei-Akkorde-Rock'n'Roll Europas Kinderzimmer im Sturm eroberten. Als Schneider 1977 mit seinen Freunden Michael Uhlich und Alexander Möbius die Teens gründet, ist der Erfolg keineswegs abzusehen. Nach wenigen Wochen stoßen Gitarrist Jörg Treptow und Sänger Robert Bauer dazu. Ihre Coverversionen von 50er-Jahre-Rock'n'Roll, Elvis Presly und Status Quo spielen sie in den Schulen, Discos und Kneipen von Berlin. 1978 schließt die Hit-Label Hansa International einen Plattenvertrag mit den Teens ab, die sich als "jüngste Rockband Europas" längst einen Namen über die Grenzen von Berlin hinaus gemacht haben. Ihr Song "Gimme gimme gimme" wird zum Hit. Als sie den Titel bei Wim Thoelkes "Der große Preis" singen, ist der Durchbruch geschafft. Auf den Titeln von "Bravo", "Popcorn" und "Poprocky" sind sie fortan Stammgäste, es folgen Tourneen durch ganz Europa. Bei einem Konzert in Spanien treten sie vor über 40 000 Menschen auf.
Und die Teens sind schließlich die erste westdeutsche Rockband, die in der DDR auftritt. "Vorher haben das nur Leute wie James Last und Max Greger gemacht", erzählt Schneider. "Bevor wir spielen durften, mußten wir unsere Titel einreichen. Es gab aber keine Probleme, unsere Texte waren ja unpolitisch." Trotz des Erfolges bleiben die Teens die lieben Jungs von nebenan. Sie gehen brav zur Schule, ihre Konzerte finden in den Ferien statt. Stretchlimousinen oder Riesenpartys gibt's nicht. "Ab und zu haben wir mal ein Bier bekommen", erinnert sich Treptow. "Aber um zehn waren wir immer in der Falle." Im Jahre 1983 - die Band hat weltweit mehr als sechs Millionen Platten verkauft - trennen sich die Teens. "Heute laufen uns die Frauen ja höchstens nach, weil wir ihnen die Handtaschen klauen.

Damals aber hatten wir immer eine Heerschar schreiender Mädchen am Hals", nennt Schneider einen Grund für die Auflösung. Aus den Mädchen wurden Frauen, doch Fans sind sie geblieben. Erst vor zwei Jahren hat sich ein "Freundeskreis der Teens" gegründet. "Durch unsere Clubzusammenkünfte, die in persönlicher Atmosphäre stattfinden, haben wir uns in den letzten zwei Jahren so kennengelernt, daß nicht mehr Stars den Fans gegenüberstehen, sondern wir uns wie Freunde treffen", sagt Kerstin Lindner, die den "Freundeskreis" organisiert. Einmal im Monat verschickt sie eine e-Mail an die Mitglieder, in denen nicht nur die Teens, sondern auch ihre Fans aus dem Leben plaudern.


Viel Treue für eine Band, die den Teens-Schuhen längst entwachsen ist. "Wir sind so marode wie diese Mauer", witzelt Schneider mit einem Wink auf das dreckige Ocker des Wohnhauses, in dessen Keller ihr Studio untergebracht ist. Dabei haben die Teens ihre Rocker-Posen nicht verlernt. Treptow löst seine rechte Hand von der Gitarre und bohrt den Zeigefinger Richtung Kamera. Schneider nickt lässig mit dem Kopf zum Rhythmus der Musik. Und Uhlich läßt mehr als einmal die Schlagzeug-Stecken durch die Finger kreisen. Neuzugang Sascha Urban lächelt nur und denkt sich seinen Teil. Mit seinen 26 Jahren drückt "unser ABM-Sänger" - wie ihn Schneider im Spaß nennt - den Altersdurchschnitt der Band gewaltig. "Die Teens sind eine Band aus meiner Windelzeit", lächelt Urban: "Und trotzdem haben wir jetzt viel Spaß zusammen." Das ist wichtig, denn zur Zeit sind die Teens im Streß. Interviews und Autogrammstunden in Berlin, Köln und Chemnitz standen in den letzten Wochen auf dem Programm. Und das - wie früher - alles in der Freizeit. Längst haben die Teens Brotberufe: Treptow ist Karosseriebauer, Uhlich arbeitet als Kaufmann und der ehemalige Moderator Schneider berät Radiostationen. "Wir wurden immer wieder zusammengetrommelt, um die Sommerlöcher in den Medien zu füllen", sagt Schneider. Der Wunsch, wieder zusammen aufzutreten, ensteht 1996, nach der Veröffentlichung ihrer Best-Of-CD "Past and Present". Zwei Ur-Teens machen nicht mit. Robert Bauer will nicht und Alex Möbius kann nicht - er spielt heute bei der Popband "Big Light".

"Wir wollen eine Weiterentwicklung von dem zeigen, was wir früher gemacht haben", sagt Schneider. Deswegen gibt es "Gimme gimme gimme" auf dem neuen Album in zwei neuen Versionen. "Gimme Gimme 2000" ist ein verunglückter Disco-Stampfer, der so klingt, wie sich Rocker Techno vorstellen: wie Blümchen, nur ohne deren Gepiepse. Bei "Gimme the Blues" dagegen haben die Teens eine Ry-Cooder-Gitarre über eine groovige Rhythmusschleife gelegt. Das ist nicht revolutionär, aber ordentlicher Mainstream. Auch wenn Songs wie "One more chance" oder "Never let you go" einfach gestrickte Rocksongs im Grenzbereich zum Schlager sind - den Midtempo-Knaller "Lose my heart" hätten "Toto" auch nicht besser hingekriegt. "Wir machen nur Sachen, mit denen wir uns identifizieren können", sagt Uwe Schneider.
Deshalb sind sie jetzt bei einem Mini-Label unter Vertrag. "Bei uns werden nicht Millionen reingepulvert, die wir dann wieder rausholen müssen", sagt Schneider. Sie wollen einfach Musik spielen - "so wie andere in unserem Alter Golf oder Tennis spielen. Wir sind halt wilde Jungs, die nicht erwachsen werden."